M3: das letzte Snickers ist gegessen

Die Dritte hat es also tatsächlich getan: Mit einem hochseriösen, selbstverständlich zu keiner Zeit gefährdeten 35:31 in Aichach wurde die Saison standesgemäß beendet – und zwar so, wie es sich für einen Meister gehört: erst vorneweg marschieren, dann in Halbzeit zwei kollektiv den Charme eines Verkehrsunfalls versprühen, aber am Ende trotzdem mit breiter Brust heimfahren. Zur Pause stand es noch 22:13, also ungefähr so souverän, wie man sich das in Schwabmünchen in den kühnsten Thekenanalysen vorstellt. Danach wurde es allerdings wirklich grausam aus Sicht des TSV – vermutlich, um den neutralen Zuschauern wenigstens ein bisschen Hoffnung und Unterhaltung zu schenken.

In der ersten Hälfte spielte die Dritte nämlich Handball wie aus einem Guss. Vorne wurde getroffen, hinten zumindest so viel gearbeitet, dass es für einen ordentlichen Vorsprung reichte, und Aichach durfte früh lernen, dass Schwabmünchen heute nicht zum Kaffeekränzchen angereist war. Besonders schön: Hans-Jürgen Sadlo verabschiedete sich in seinem letzten Spiel mit 6 Toren – so macht man das, wenn man künftig als A-Jugend-Trainer in Niederraunau jungen Menschen beibringen möchte, wie man Bälle ins Netz hämmert und dabei trotzdem geschniegelt wirkt. Alles Gute, HaJü – Niederraunau bekommt einen Mann mit Wurfgewalt, Erfahrung und offensichtlich einem Faible für stilechte Abschiede.

Ebenfalls bemerkenswert war das Comeback von Lukas Brugger. Schon seine Anwesenheit hatte etwas Erhebendes, fast schon Historisches. Man hatte stellenweise den Eindruck, als hätte jemand einen Altmeister aus dem Kryoschlaf geholt – und siehe da: Es funktionierte. Allein diese Rückkehr verlieh dem Spiel jene Würde, die in Halbzeit zwei ansonsten phasenweise komplett fehlte.

Natürlich durfte auch das traditionell Schwabmünchner Element nicht fehlen: die berühmte altersbedingte Verzögerung im Defensivverhalten. Sadlo, Klein, Plätschke und Rinne waren – wie eigentlich immer – einen Tick zu langsam, was sie mit 2-Minuten-Strafen kompensierten. Böse Zungen würden behaupten, das sei mangelnde Geschwindigkeit gewesen. Kenner wissen: Das war pure Routine. Wer nicht mehr rechtzeitig am Gegner vorbeikommt, nimmt ihn eben kurz in den Arm. Auch das ist mannschaftsdienlich. Insgesamt sammelte Schwabmünchen vier Zeitstrafen – und damit fast so viel defensiven Zugriff wie in manchen kompletten Trainingseinheiten.

Dann kam die zweite Halbzeit. Oder wie man in Schwabmünchen sagt: der kulturelle Teil des Nachmittags. Aus einem 22:13 wurde Stück für Stück ein Spiel, bei dem man sich fragte, ob die Mannschaft gedanklich schon in der Meisterpause, am Grill oder direkt in der Saisonvorbereitung 2026/2027 angekommen war. Aichach durfte plötzlich mitspielen, Tore werfen, Hoffnung schöpfen – also all das tun, was man als großzügiger Meister eben zulässt. Wirklich gefährlich wurde es zwar nicht mehr, aber schön war das Ganze keinesfalls. Es war die Art Halbzeit, nach der Trainer normalerweise tief durchatmen, drei Sätze abbrechen und dann nur noch sagen: „Wichtig sind die zwei Punkte.“

 

Und genau die waren am Ende da. Meister! Mehr muss man eigentlich nicht wissen. Der letzte Auftritt der Saison brachte noch einmal alles mit, was die Dritte auszeichnet: schöne Tore, etwas Chaos, wertvolle Veteranen-Momente, fragwürdige Abwehrarbeit, überflüssige Zeitstrafen und am Ende trotzdem den Sieg. So geht Schwabmünchen. Nicht geschniegelt, nicht geschniegelt nötig – aber ganz oben.

TSV Schwabmünchen III – Meister, jetzt Pause und dann Vollgas Richtung Saisonvorbereitung 2026/2027

 

Die Spieler des TSV Schwabmünchen III:

Marius Zander 6, HaJü Sadlo 6, Björn Klein 6, Dan-Micha Schikor 4, Felix Dahlheim 4, Daniel Schumacher 4, Thorsten Rinne 2, Rico Plätschke 2, Kristijan Calusic 1, Lukas Brugger (Tor)