M3: Werk vollendet – Meister außer Konkurrenz, fast wie angekündigt

Es gibt Mannschaften, die werden Meister. Und es gibt Mannschaften, die werden Meister außer Konkurrenz. Das ist sportlich ungefähr dasselbe, klingt aber deutlich größer, würdevoller und ein kleines bisschen so, als hätte der Rest der Liga von Anfang an nur Statistenrollen übernommen. Genau dort hat sich der TSV Schwabmünchen III nun einsortiert – und zwar fast genauso, wie es zu Saisonbeginn in einer Mischung aus gesundem Selbstbewusstsein, völliger Realitätsverweigerung und ehrlicher Vorahnung angekündigt worden war.

Der Weg dahin war allerdings kein Spaziergang, sondern eher ein klassischer Auftritt der Dritten: erst zäh, dann wild, dann heroisch, dann leicht absurd – und am Ende natürlich erfolgreich.
Der Start ins Spiel war zunächst einmal alles andere als rauschhaft. Schwabmünchen wirkte in den ersten Minuten so, als hätte man sich kollektiv darauf verständigt, das Spiel nur sehr langsam in Gang zu bringen. Es war zäh, es war mühsam, es war ungefähr so flüssig wie kalter Grießbrei. Im Angriff lief wenig zusammen, das Tempo war überschaubar, und man hatte kurz den Eindruck, als wolle die Dritte den Gegner durch demonstrative Behäbigkeit in Sicherheit wiegen.
Doch gerade in solchen Phasen zeigt sich die wahre Klasse einer Mannschaft. Andere Teams brechen ein, verzweifeln oder fangen an, sich gegenseitig mit genervten Blicken zu bestrafen. Die Dritte dagegen blieb einfach bei sich. Nicht elegant, aber standhaft. Nicht schön, aber wirksam. Handball zum Anfassen eben.
Bosse und Zander – rechtzeitig von der Erkältung auferstanden:
Dass dieser Triumph überhaupt möglich wurde, lag auch an zwei Männern, die sich offenbar in letzter Sekunde wieder aus dem Griff einer Erkältung befreien konnten: Phillipp Bosse und Marius Zander waren pünktlich zum großen Tag wieder einsatzbereit. Das allein war schon eine Nachricht, die man im Umfeld mit Erleichterung, Dankbarkeit und vermutlich einigen Tees weniger zur Kenntnis nahm.
Und beide lieferten auch direkt ab, als hätte es die vorherigen Krankheitstage nie gegeben. Phillipp Bosse steuerte starke fünf Tore bei und zeigte damit sehr eindrucksvoll, dass sein Immunsystem zwar kurz gewackelt haben mag, sein Wurfarm aber ganz sicher nicht. Das war keine vorsichtige Rückkehr, das war eine sportliche Gesundmeldung mit Nachdruck.
Auch Marius Zander war wieder rechtzeitig auf Betriebstemperatur und trug zwei Tore zum Erfolg bei. Allein die Tatsache, dass beide wieder auf der Platte standen, war für die Dritte schon Gold wert. Dass sie dann auch noch so produktiv wurden, machte das Ganze endgültig zu einer dieser Geschichten, bei denen man hinterher nur noch anerkennend den Kopf schütteln kann.
Felix Hänsel debütiert – 13 Tore und nebenbei noch Materialtest
Der Mann des Tages war dennoch ohne jede Diskussion Felix Hänsel. Bei seinem Debüt warf er nicht einfach ordentlich mit, sondern gleich 13 Tore. Das ist schon für sich genommen frech genug. Dazu kamen noch sieben Lattentreffer, was beweist, dass Hänsel nicht nur weiß, wo das Tor steht, sondern auch ein ausgeprägtes Verhältnis zur Statik des Aluminiumrahmens besitzt.
Andere Spieler tasten sich bei ihrem ersten Einsatz langsam heran, werfen vielleicht einen rein, holen sich ein Schulterklopfen und setzen sich wieder. Hänsel hingegen entschied sich offenbar für die Variante „Legendenstatus in 60 Minuten“. 13 Tore beim Debüt sind kein Einstand, das ist eine öffentliche Bekanntmachung.
Dominik Brandt – besser als Andreas Wolf, und zwar wieder einmal:
Und dann war da natürlich noch Dominik Brandt im Tor, der an diesem Nachmittag erneut zeigte, dass große Torhütervergleiche in Wahrheit viel kleiner sind, als man denkt. Während Andreas Wolf im Welthandball seit Jahren als Ausnahmetorwart gehandelt wird, lieferte Brandt in Schwabmünchen wieder eine Vorstellung ab, bei der man sich ernsthaft fragen musste, warum in Nationalmannschaftskreisen eigentlich nie die wirklich wichtigen Namen fallen. Was Brandt da zwischen den Pfosten veranstaltete, war keine normale Torwartleistung, sondern eine Mischung aus Reflexen, Aura und maximaler Respektlosigkeit gegenüber gegnerischen Abschlüssen. Bälle, die eigentlich schon drin waren, tauchten plötzlich wieder vor ihm auf. Würfe, die nach sicherem Tor aussahen, wurden von ihm behandelt wie aufdringliche Fliegen im Biergarten. Kurz gesagt: Dominik Brandt war wieder besser als Andreas Wolf. Ob das statistisch haltbar ist, spielt keine Rolle – emotional ist die Sache komplett wasserdicht.
Thorsten Rinne – kernige Präsenz mit robuster Zwei-Minuten-Kultur:
Natürlich darf bei so einem Meisterwerk auch Thorsten Rinne nicht fehlen. Offiziell mit einem Tor, inoffiziell aber vor allem mit einer sehr robusten Zwei-Minuten-Strafe, die sinnbildlich für die Haltung der Dritten stand. Das war keine zufällige Zeitstrafe, weil man im Eifer des Gefechts mal falsch stand. Das war eine Strafe mit Aussage. Eine Strafe mit Charakter. Eine Strafe, die sagt: Hier wird nicht nur mitgespielt, hier wird Verantwortung übernommen.
Solche Momente braucht eine Mannschaft, wenn sie ganz oben – mitspielen will.
Die Dritte macht es spannend, weil einfache Siege nicht ihr Stil sind:
Natürlich hätte Schwabmünchen das Ganze auch langweilig souverän herunterspielen können. Aber das wäre nicht die Dritte gewesen. Stattdessen hielt man Spannung und Nervosität auf einem Niveau, das für Spieler, Trainer und Zuschauer gleichermaßen gesundheitsgefährdend wirkte. Genau darin liegt aber auch der besondere Charme dieser Mannschaft: Sie gewinnt nicht einfach nur, sie erzählt Geschichten.
Und so wurde aus einem zähen Beginn, einer Erkältungsrückkehr, einem Debüt für die Vereinschronik, starken Paraden und kernigen Defensivmomenten am Ende genau das, was diese Saison offenbar immer werden sollte: ein weiterer Beleg dafür, dass der TSV Schwabmünchen III in dieser Spielzeit nicht einfach gut war, sondern eben meisterlich außer Konkurrenz.
Fast wie angekündigt.
Fazit:
Die Dritte hat geliefert. Nicht geschniegelt, nicht geschniegelt-taktisch geschniegelt, sondern auf ihre ganz eigene Art: widerstandsfähig, torhungrig, leicht verrückt und mit genau der richtigen Mischung aus Qualität und Chaos.
Ein zäher Start? Geschenkt.
Zwei gerade noch rechtzeitig genesene Leistungsträger? Perfekt.
Ein Debütant mit 13 Toren und sieben Lattentreffern? Völlig normal bei der Dritten.
Ein Torwart über Andreas-Wolf-Niveau? Selbstverständlich.
Eine robuste Zwei-Minuten-Strafe? Gehört zur Grundausstattung.
So wird man nicht einfach Meister.
So wird man Meister außer Konkurrenz.
Für SMÜ auf der Platte:
Marius Zander – 2, Felix Dahlheim – 3, Phillipp Bosse – 5, Thorsten Rinne – 1, Dominik Brandt – viele Tore verhindert, Sören Vinzelberg, Felix Hänsel – 13, Rico Plätschke – 1, Kilian Stauderer – 1, Ingolf Mayer – 1, Dan-Micha Schikor – 5, Daniel Schumacher – 3