Manche Mannschaften starten konzentriert in ein Spiel. Andere starten mit klarer Linie, sauberem Abschluss und unerschütterlicher Entschlossenheit. Und dann gibt es den TSV Schwabmünchen III, der gegen Göggingen IV zunächst so auftrat, als hätte man sich beim Warmmachen kollektiv darauf verständigt, die Außenpositionen heute als groß angelegtes Feldversuchsprojekt für ballistische Grundlagenforschung zu nutzen.
Der Beginn war nämlich, man kann es nicht anders sagen, miserabel. Vor allem von außen wurde die Torausbeute in einer Weise verwaltet, die jedem neutralen Beobachter den Eindruck vermitteln musste, das Tor sei in Wahrheit deutlich kleiner als in den offiziellen Handballregeln vorgesehen. Göggingen sagte höflich Danke, zog davon und führte zwischenzeitlich mit 9:4 und später sogar mit 11:4. Zur Pause stand ein 13:16 auf der Anzeigetafel – aus Schwabmünchner Sicht kein Ergebnis, das Jubelstürme auslöst, aber immerhin eines, bei dem noch niemand die Halle heimlich verlassen musste.
Doch dann geschah, was bei dieser Mannschaft immer mal wieder passiert: Sie erinnerte sich daran, dass ein Handballspiel aus zwei Halbzeiten besteht. In der ersten Hälfte hatte man sich immerhin schon mühsam rangekämpft, irgendwo zwischen Verzweiflung, Willenskraft und gepflegtem Bezirksklassenwahnsinn. Und in Halbzeit zwei stand dann plötzlich auch die Abwehr besser. Nicht perfekt, nicht geschniegelt, nicht geschniegelt-plus, aber deutlich griffiger, bissiger und mit jener unangenehmen Beharrlichkeit, die Gegnern langsam, aber sicher die Laune verdirbt.
Vorne übernahm vor allem Philipp Bosse das Kommando und machte das, was man landläufig einen Sahnetag nennt: 12 Tore. Das ist keine statistische Randnotiz, das ist bereits eine lokale Naturgewalt.
Als Schwabmünchen in der zweiten Halbzeit vom 20:22 erst auf 22:22 stellte und anschließend auf 24:22 davonzog, kippte die Partie endgültig. Göggingen wirkte plötzlich so, als hätte man den falschen Film erwischt, während Schwabmünchen auf einmal traf, verteidigte und insgesamt den Eindruck machte, als hätte jemand in der Kabine heimlich wieder den Wettkampfmodus eingeschaltet. Spätestens in der Schlussphase war klar: Dieses Spiel würde nicht durch Schönheit gewonnen werden, sondern durch Zähigkeit, Moral und die tiefe Überzeugung, dass man nach so einem Anfang wenigstens das Ende ordentlich gestalten muss. Genau das geschah. Am Ende stand ein 31:25-Heimsieg.
Und weil große Siege ihre eigenen Bilder brauchen, bleibt neben dem Comeback natürlich noch eine weitere Schlüsselszene des Abends festzuhalten: Die Snickers-Box war nach dem Spiel fast leer. Das sagt im Handball oft mehr über Intensität, Einsatz und emotionalen Energieverbrauch aus als jede Wurfquote. Wer nach so einer Aufholjagd noch Riegel übrig lässt, hat nicht alles gegeben. M3 hat also offensichtlich alles gegeben.
Am Ende bleibt also festzuhalten: Man gewann dieses Spiel nicht wegen eines perfekten Starts, sondern trotz eines Starts, bei dem man kurz den Verdacht haben durfte, die Außen seien innerlich noch im Parkplatzgespräch gewesen. Danach wurde sich herangekämpft, in Halbzeit zwei deutlich besser verteidigt und vorne vor allem über Philipp Bosse der Laden übernommen. Und weil nach so einem Abend auch die Regeneration stimmen muss, war die Snickers-Box hinterher folgerichtig fast leer.
Für Schwabmünchen spielten:
Marius Zander (3), Markus Weichel (1), Philipp Bosse (12), Simon Kuhn (1), Thorsten Rinne (2), Dominik Brandt (Tor), Hans-Jürgen Sadlo (4), Kilian Stauderer (1), Ingolf Mayer (1), Dan-Micha Schikor (3), Felix Dahlheim (1), Daniel Schumacher (2).


