Schwabmünchner Handballerinnen fehlt beim Derby in Haunstetten die letzte Konsequenz

Nach vier Spieltagen in der Regionalliga müssen die Schwabmünchner Handballerinnen eine ernüchternde Bilanz ziehen: Nach der Niederlage am vergangenen Samstag stehen sie am Tabellenende und damit auf einem Abstiegsplatz.

Nach der vielversprechenden Vorstellung gegen den Tabellenführer HCD Gröbenzell wollten die Schwabmünchnerinnen ihren Aufwärtstrend fortsetzen und endlich die ersten Punkte einfahren. Doch die Partie gegen den TSV Haunstetten gestaltete sich über die gesamte Spielzeit zäh. Den ersten Treffer erzielte Haunstettens Sina Gossner, die zu Jahresbeginn noch für Schwabmünchen aufgelaufen war. Zwar glichen die Gäste umgehend aus und übernahmen anschließend zunächst die Führung, doch beide Teams leisteten sich zahlreiche technische Fehler und Ballverluste.

Nach einer Viertelstunde setzten sich die Gelb-Blauen erstmals mit zwei Toren ab (7:5). Allerdings gelang es ihnen weder in der ersten Halbzeit noch im weiteren Verlauf, Rückraumspielerin Gossner entscheidend in den Griff zu bekommen. Zwischenzeitlich wuchs der Vorsprung zwar auf drei Tore an (13:10, 22. Minute), schrumpfte bis zur Pause jedoch wieder auf einen Treffer zusammen. Beim Stand von 14:13 für Schwabmünchen wurden die Seiten gewechselt. Trainer Mario Stadlmair appellierte an sein Team, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen und den Gegnerinnen das eigene Spiel aufzuzwingen.

Nach Wiederanpfiff glich Haunstetten sofort aus. Es folgte eine chaotische Phase mit Ballverlusten auf beiden Seiten, schnellen Gegenstößen und neun Toren innerhalb von knapp fünf Minuten. Das Spiel blieb völlig offen. Nach einer Zeitstrafe gegen die Gastgeberinnen erarbeiteten sich die Schwabmünchnerinnen durch drei erfolgreiche Abschlüsse über die Außenpositionen erneut einen Drei-Tore-Vorsprung (21:18, 40. Minute). Doch auch dieser schmolz schnell dahin: Nur drei Minuten später hatte Haunstetten wieder ausgeglichen.

Angetrieben von den lautstarken Fans witterten die Gastgeberinnen ihre Chance, während die Schwabmünchnerinnen zunehmend verkrampft agierten. Einzelaktionen häuften sich, blieben jedoch nur teilweise erfolgreich. Nachdem Spielmacherin Lea Lammich in der 59. Minute die Führung zum 29:28 erzielt hatte und die Gelb-Blauen sich den Ball zurückerobert hatten, nahm Trainer Stadlmair eine Auszeit. Der angesagte Spielzug wurde jedoch nicht sauber zu Ende gespielt. Stattdessen glich Haunstetten 40 Sekunden vor Schluss aus.

Auch der nächste Schwabmünchner Wurf verfehlte das Tor. Haunstetten nahm seinerseits eine Auszeit. Mit nur noch wenigen Sekunden auf der Uhr wurde das Spiel ein letztes Mal angepfiffen. Zur Verzweiflung der Schwabmünchner Fans und Verantwortlichen konnte weder die Abwehr noch die Torhüterin den letzten „Kullerball“ links unten im Netz verhindern. Bei nur noch vier Sekunden Restspielzeit gelang es den Schwabmünchnerinnen (als Gästen) weder mit dem schnellen Anwurf noch mit einem direkten Freiwurf von Linksaußen nach Ablauf der Spielzeit, den Ausgleich zu erzielen. So endete die Partie mit 29:30 aus Sicht der Singoldstädterinnen.

Bereits zum dritten Mal mussten die Schwabmünchnerinnen eine Partie in letzter Sekunde mit nur einem Tor Unterschied aus der Hand geben. Dass die junge Mannschaft in der Liga nicht mithalten kann, ist offensichtlich nicht das Problem – das zeigte bereits das Spiel gegen den HCD Gröbenzell. Wie also kommt es, dass die Schwabmünchnerinnen innerhalb einer Woche gegen einen Absteiger und einen Aufsteiger mit nahezu demselben Ergebnis unterliegen?

Momentan fehlt es an Überzeugung, Selbstvertrauen und der „letzten Konsequenz“, um solche Spiele nicht kurz vor Schluss noch zu verschenken. Auch Weitblick und Spielwitz sind gefragt. „Mir fehlt gerade so ein bisschen der Spaß am ‚Zocken‘“, erklärt Athletiktrainerin Daniela Englberger. Trainer Stadlmair fand in der Kabine noch deutlichere Worte: „Es muss einfach mal jede Einzelne anfangen, Verantwortung zu übernehmen. Der Welpenschutz ist vorbei – wir müssen lernen, auch mal den Ball zu halten und zu überlegen, was in dieser Spielsituation gerade sinnvoll ist.“

An Willen, Ehrgeiz und Kampfgeist mangelt es der jungen Mannschaft nicht. Woran sie jedoch arbeiten muss, ist die Fähigkeit, in entscheidenden Phasen ruhig zu bleiben, auf das Zusammenspiel zu vertrauen und nicht mit dem Kopf durch die Wand zum Erfolg kommen zu wollen. Daran lässt sich ansetzen. Denn der letzte Tabellenplatz hat auch etwas Gutes: Es kann nur aufwärtsgehen, zu verlieren haben die Schwabmünchnerinnen nichts und die Saison ist noch lang. Jetzt gilt es, sich nicht entmutigen zu lassen, als Team noch enger zusammenzurücken und das Feld von hinten aufzurollen. Die nächste Gelegenheit bietet sich bereits am kommenden Samstag um 16 Uhr beim HBC Nürnberg.

Es spielten: Bloch, Tikvica (1), Globisch (alle Tor); Bartosch (7/3), Mehr (4), Zabel (4), Hafner (3), Lammich (3), Schanda (3), Kramer (1), Michael E. (1), Michael L. (1), Dölle (1).